Gemeinsam am Erfolg arbeiten

Der jahrzehntelange Erfolg des österreichischen Glasrecyclingsystems basiert auf dem gelungenen Zusammenspiel vieler Unternehmen, Institutionen und Behörden. Austria Glas Recycling pflegt daher einen intensiven Dialog mit Partnerunternehmen und Stakeholdern.

Michael Wiener

war Dialogpartner beim

14. Austria Glas ReCIRCLE

am 15.10.2019, Bel Etage des Cafe Landtmann 

Kreislaufwirtschaft als wesentliches Element von Klimaschutz derzeit noch unterschätzt

55% der Emissionen werden vom Energiesektor verursacht, 45% vom industriellen und landwirtschaftlichen Produktionssektor. Doch der Fokus weltweit gilt dem Energiesektor, wundert sich Michael Wiener und fragt ‚Drehen wir an den richtigen Stellschrauben?‘ Michael Wiener ist CEO der DSD-Duales System Holding, zu der der Grüne Punkt gehört, und somit einer der wichtigsten Manager Deutschlands und Europas, wenn es um Recycling und Kreislaufwirtschaft geht. 

Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) hat das Ziel, Wohlstand und wirtschaftlichen Erfolg auf umweltschonende, ressourcenschonende Weise zu ermöglichen. Das Circular Economy Package der EU setzt kurz-, mittel- und langfristige Akzente. Doch im aktuellen Klimapaket der deutschen Bundesregierung taucht der Begriff Kreislaufwirtschaft nicht ein einziges Mal auf. Wiener spricht von einem blinden Fleck. Kreislaufwirtschaft und Umweltschutz werde nicht zusammengedacht. Und das, obwohl der Einsatz von Recyclingmaterial den Ausstoß von CO2 erheblich reduziert. Je nach Kunststoffart beispielsweise fallen die CO2-Emissionen bei der Produktion von Sekundärprodukten, das heißt unter Verwendung von Rezyklaten, um bis zu 50% geringer aus als bei der Produktion von Neuware. Eine Verdoppelung des Sekundärrohstoffeinsatzes von derzeit 15% auf 30% würde zusätzlich 60 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente einsparen. 

Für Glasverpackungen gilt: Je 10 % Altglas bei der Neuproduktion reduzieren 3% Energieverbrauch und 7% CO2-Emissionen.

Recycling ist vergleichsweise günstiger Klimaschutz

Wiener rechnet vor, dass die Einsparung einer Emissionstonne CO2 durch den Einsatz erneuerbarer Energien im Durchschnitt 77 Euro kostet. Die Einsparung einer Emissionstonne CO2 durch Recycling durch das Duale System koste hingegen nur 17 Euro.

Anreize, Innovationen und nachhaltige öffentliche Beschaffung

Die Politik ist gefordert, Anreize und Regularien zu entwickeln, um das Klimaschutzpotenzial von Recycling zu heben. Solange Primärkunststoffe – nicht zuletzt aufgrund der Externalisierung von Umweltkosten - preisgünstiger sind als Sekundärware, bleibt der Beschaffungsmarkt für Sekundärware unterentwickelt, auch wenn diese die umwelt- und klimaschonendere Alternative ist. Die Marktmechanismen brauchen Leitlinien und Vorgaben Richtung Klimafreundlichkeit. Auch Steuern und Bonifikationen wären sinnvoll, denn unter den heutigen Rahmenbedingungen bringt das Streben nach höheren Recyclingquoten höhere Lizenzkosten für die Unternehmen und letztendlich höhere Produktpreise mit sich. Doch Sekundärrohstoffe sind CO2-senkend. Diese Tatsache muss einen Wert bekommen.

Auch Pfandsysteme werden als Lenkungsmaßnahme diskutiert. Die Erfahrungen in Deutschland mit dem Pflichtpfand für Einwegverpackungen von Getränken zeigen, dass das politische Ziel, die Steigerung der Mehrwegquote, bislang verfehlt wurde. Dem sogenannten Litterung, der Vermüllung von Straßen und Plätzen, werde vorgebeugt.

Die Industrie Europas ist gefordert, Innovationen zu forcieren und Technologien für hochwertiges Recycling zu entwickeln, damit hohe Einsatzquoten von Sekundärkunststoff (auf dem Niveau von zum Beispiel Papier, Glas, Metall) möglich werden. Dies würde in Kombination mit hoheitlichen Lenkungsmaßnahmen zur Senkung der Stückkosten beitragen und Sekundärware wettbewerbsfähig machen. 

Zudem braucht es Standards für Rezyklate und für Rezyklierfähigkeit. Wiener bricht eine Lanze für den ‚Design-for-Recycling-Ansatz‘: Produkte, auch Verpackungen, müssen von ihrem Ende, vom Wiederverwenden, vom Recycling, her gedacht werden. 

Wesentlicher Akteur für die Schaffung eines Marktes für Recyclingware ist die öffentliche Hand in ihrer Rolle als Konsument, als Letztverbraucher. Nachhaltige Beschaffung ist und bleibt ein Schlüsselkonzept für Recycling und Kreislaufwirtschaft.

Nachhaltige Leuchtturmprojekte generieren Kundennachfrage

Die aktuelle Pattstellung – niemand setzt erste Schritte, jeder ‚versteckt‘ sich hinter Argumenten oder anderen Marktteilnehmern – sei durch Leuchtturmprojekte sowie vorbildliche Beispiele zu durchbrechen. Unternehmen brauchen eine proaktive Kreislaufwirtschaftsstrategie, um Marktrestriktionen zu vermeiden und Potenziale zu erschließen.

Wiener sieht hier die Dualen Systeme - in Österreich die Sammel- und Verwertungssysteme (SVS) – gefordert, mit Vorreiterunternehmen Vorzeigeprodukte zu entwickeln. Beispiele gäbe es bereits: Flaschen für Dünger (Compo) und Körperpflegeprodukte (Frosch), die mittlerweile in Kunststoffflaschen aus bis zu 90% Recyclingkunststoff (Systalen) bestehen. Die Flasche für Körperpflegeprodukte wurde mit dem deutschen Verpackungspreis ausgezeichnet und erfreut sich hoher Kundennachfrage.

Zirkularität wird die neue Normalität: Europa als Vorbild

Europa gilt gemeinhin als Vorbild für Recycling und Kreislaufwirtschaft. Innerhalb der EU zählen Deutschland und Österreich zu den Spitzenreitern. Nun gelte es, Europa und die emerging markets in die Zirkularität zu führen.

Präsentation

Michael Wiener: Kreislaufwirtschaft im Spannungsfeld von Politik, Klimaschutz und Wirtschaft

Presseinformation und Fotos

Dank

Wir danken den Expertinnen und Experten aus Industrie, Handel, Kommunen, Forschung und Wissenschaft, die so zahlreich unserer Einladung gefolgt sind und sich fachkundig auf Dialoge und Diskussionen eingelassen haben. Unsere Gäste machen den Austria Glas ReCIRCLE zu einer lebendigen Plattform für den Austausch von Praktikern und Vordenkerinnen für nachhaltiges Wirtschaften.

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