Wirtschaftsfaktor Glasrecycling in Österreich: vielfacher Nutzen seit 50 Jahren
Wirtschaftsfaktor Glasrecycling in Österreich: vielfacher Nutzen seit 50 Jahren
Was 1976 als lokale Pilotprojekte startete, ist heute ein starker Wirtschaftsfaktor und eine wesentliche Säule des Umweltschutzes in Österreich: die Altglassammlung. Austria Glas Recycling, führendes System und Wegbereiter der ersten Stunde, gibt Einblicke in monetäre wie nicht-monetäre Werte sowie Erfolgsfaktoren des österreichischen Glasrecyclingsystems.
Altglas: verlässlich verfügbarer Rohstoff aus dem Inland seit 50 Jahren
Glas kann immer und immer wieder recycelt werden. Gesammelte Glasverpackungen sind der wichtigste Rohstoff für die heimische Glasindustrie. Die Altglassammlung trägt einen erheblichen Anteil der Rohstoffversorgung der Verpackungsglasindustrie. Für nachgelagerte Sparten, wo hochwertige Glasverpackungen zum Einsatz kommen, ist diese Rohstoffsicherheit ebenso wichtig. Zum Beispiel für die Lebensmittelindustrie, für Getränkeabfüller und die Pharmabranche. In Österreich hergestellte Glasverpackungen bestehen im Durchschnitt über alle Formen und Farben zu 2/3 aus gesammelten Glasverpackungen.
Ein weiterer Vorteil von Glasrecycling: Das Schmelzen von Altglas benötigt erheblich weniger Energie als das Schmelzen der Primärrohstoffe. Pro 10 Prozent Altglas bei der Herstellung neuer Glasverpackungen werden 2,5 Prozent Energie und 5 Prozent CO2-Emissionen gespart. Das ist insbesondere in Zeiten hoher und volatiler Energiepreise ein ökonomisch und natürlich ein ökologisch wichtiger Faktor für die Industrie.
Sauberkeit, Umwelt- und Naturschutz dank Altglassammlung
Knapp 8 Millionen Tonnen Altglas, das sind rund 25 Milliarden Glasverpackungen, sind in Österreich im Laufe von fast 5 Jahrzehnten fürs Recycling gesammelt worden. Das ergäbe auf einem Fußballfeld einen Altglasturm von fast 4.000 Metern. Dank Glasrecycling reduzierte man den Abbau von Rohstoffen aus der Natur, insbesondere von 5 Millionen Tonnen Sand, dem Hauptrohstoff von Glasverpackungen. Ohne Altglassammlung hätte man in den vergangenen Jahrzehnten gut 19 Millionen m³ Rohstoffe aus der Natur abgebaut.
Die Bewahrung unserer Naturlandschaften sowie Sauberkeit in unseren Gemeinden und Städten haben einen hohen – manche sagen, unbezahlbaren – Wert für das Leben in Österreich. Die Menschen, die hier wohnen und jene, die zu Gast sind, schätzen die intakte Umwelt, die sauberen, unberührten Regionen. Wo es sauber ist, bleibt es zumeist sauber. Werden Plätze und Straßen jedoch nicht regelmäßig gereinigt, sinkt die Hemmung für achtloses Wegwerfen. Das belegen umweltpsychologische Untersuchungen immer wieder aufs Neue.
Verlässliche Einnahmen für Logistiker und Investitionsentgelte für die Kommunen dank Glasrecyclingsystem
Für die Logistik- und Entsorgungsbranche stellt die Altglassammlung eine Erweiterung ihres Portfolios dar. Logistikunternehmen, die für das Glasrecyclingsystem tätig sind, erhalten zuverlässig Entgelte für vereinbarungsgemäß erbrachte Leistungen. Selbst in Ausnahmephasen wie es beispielsweise die Zeit der Pandemie war. Viele Geschäftsbereiche waren damals stark eingeschränkt. Das Glasrecyclingsystem lief, Altglas wurde von den Sammelbehältern abgeholt und in die Glaswerke transportiert. Die Logistikbranche ist, in Euro betrachtet, der stärkste Partner der Austria Glas Recycling. Die jährlichen Entgeltzahlungen an Altglassammler und -transporteure betragen insgesamt bis zu 18 Millionen Euro.
Der kommunale Sektor folgt dem Logistiksektor in wirtschaftlicher Hinsicht auf dem Fuß. Österreichs Städte und Gemeinden können seit Jahrzehnten darauf vertrauen, dass sie für ihre vertragsgemäßen Leistungen die entsprechenden Entgelte erhalten. Diese investieren sie in die laufende Wartung sowie konsequente Weiterentwicklung des Altglassammelsystems, sodass für die Bürger*innen möglichst moderne und gut gewartete Glascontainer an sauberen Plätzen bereitstehen. In den vergangenen 10 Jahren summierten sich diese Investitionsentgelte auf über 100 Millionen Euro.
Knapp 90 % aller finanziellen Aufwendungen im Glasrecyclingsystem gehen an österreichische Entsorgungs- und Transportunternehmen sowie Österreichs Kommunen. Für den Zeitraum 2015 bis 2025 rund 220 Millionen Euro.
Vielfältige, regionale Arbeitsplätze im Glasrecyclingsystem
Ein gut etabliertes Glasrecyclingsystem bietet ein breites Spektrum an Arbeitsmöglichkeiten. Für eine Vielzahl an Fachkräften und Expert*innen finden sich interessante und chancenreiche Jobs im Inland: Logistiker, Digitalisierungsvorreiterinnen, Glasmacher, Kommunikationsprofis, LKW-Fahrer, Datenmanagerinnen, Forschende und Lehrende zu Circular Economy. Das tut der heimischen Volkswirtschaft gut.
Rechtskonformität, Rechtssicherheit und Innovationen für die Unternehmen
Die vom Prinzip der erweiterten Produzentenverantwortung gemäß Verpackungsverordnung angesprochenen Unternehmen haben ein vitales Interesse daran, ihrer Verantwortung rechtskonform nachzukommen. Sie tun dies, indem sie ein sogenanntes Entpflichtungsentgelt für die von ihnen in Verkehr gesetzten Glasverpackungen an ein ministeriell genehmigtes Sammel- und Verwertungssystem leisten. Rund 80% der betroffenen Unternehmen Österreichs schließen sich für Glasverpackungen der ARA mit ihrer rechtlich selbstständigen Tochter Austria Glas Recycling an. Sie setzen damit auf zertifiziert gesetzeskonformes Vorgehen und auf Innovationskraft in Logistik und Technologie sowie Datenmanagement und Workflows. Darüber hinaus vertrauen sie auf ein System, das der Non-Profit-Gebarung folgt und die Wertschöpfung größtenteils im Inland hält.
5 Jahrzehnte Glasrecycling in Österreich: Erfolgsfaktoren
Der beste Beweis für ein gut etabliertes Glasrecyclingsystem sind hohe Erfassungs- und Recyclingquoten. Während andere Staaten der EU noch darum ringen, die vorgeschriebenen Quoten zu erreichen, ist dies in Österreich mit über 80% Recyclingquote für Glasverpackungen seit vielen Jahren Standard. Die Menschen in Österreich wissen um den Wert von Glasrecycling. Und sie sind motiviert, bei der Altglassammlung mitzumachen. Sehr unterschiedliche Stakeholder aus Wirtschaft, Politik, Kommunen, Abfallverbände, private und kommunale Sammelpartner, Medien und anderen Sektoren arbeiten trotz teils divergierender Einzelinteressen gemeinsam mit Austria Glas Recycling am Gelingen und am Erfolg von Österreichs Glasrecyclingsystem
Die Erfahrung von fast 5 Jahrzehnten zeigt, welche Faktoren wesentlich zum Erfolg beitragen:
- gebündelte Innovationskraft von Austria Glas Recycling, ARA und Partnerunternehmen
- Bestbieterprinzip bei der Auswahl der Partnerunternehmen
- Garantie der Glaswerke, das gesammelte Altglas zu recyceln
- Qualitätssicherung bei der Entsorgung und beim Transport des Altglases
- klare gesetzliche Vorgaben und Spielregeln, deren Einhaltung ministeriell kontrolliert wird
- stabile Finanzierungsstrukturen nicht zuletzt dank Verursachergerechtigkeit (Prinzip der erweiterten Produzentenverantwortung)
- Partner und Stakeholder ziehen trotz unterschiedlicher Partikularinteressen für die Altglassammlung an einem Strang
- Non-Profit-Prinzip seitens Austria Glas Recycling und ARA
- konsequente Informations- und Motivationsarbeit
Viele Staaten nehmen sich Österreichs abfallwirtschaftliche Leistungen und Strukturen zum Vorbild, um stabil finanzierte Sammel- und Verwertungssysteme zu etablieren. Denn ein funktionierendes Glasrecyclingsystem ist wertvoll für die nationale Volkswirtschaft, die Gesellschaft und unseren Lebensraum.
Fotocredits
- Bild 1 Glassammelbehälter: Moritz Scheer für Austria Glas Recycling
- Bild 2 Bunt- und Weißglas trennen: Daniel Willinger für Austria Glas Recycling